Einblicke 

Der Weg zum Kachelofen auf Grundlage von Fundstücken und Archivalien - ein kurzer Einblick am Beispiel des sogenannten Heldenofens der Burg Mildenstein Leisnig.

Am Anfang eines Kachelofenprojektes stehen meist Fundkacheln oder Fragmente von Kacheln, welche an einem ursprünglichen Ofenstandplatz oder im Gebäude gefunden wurden. Häufig finden sich auch in den Archivalien der Objekte ebenfalls Hinweise auf die Existenz von Kachelöfen. Teilweise werden diese auch bildhaft beschrieben. Ein Beispiel dafür findet sich in der "Chronik der Stadt Leisnig und ihrer Umgebung" (neu bearbeitet von F. Schellenberg Cand: de. Pred: Leisnig 1842 Verlag von R.L. Brandmair). 

Auf Grundlage dieser Hinweise in der Chronik und der im Museumsdepot Leisnig, sowie in den Kunstsammlungen Pillnitz befindlichen ursprünglichen Kacheln, als auch des am ursprünglichen Ofenstandort gefundenen Ofenabdruckes und der Hinterladerfeueröffnung wurden zunächst erste Entwürfe angefertigt.

Während der Sichtung der Archivalien und Anfertigung der Entwürfe wurde schnell deutlich, daß der Bestand im Leisniger (Cyrus Kachel) und Pillnitzer Depot (Alexander Magnus Kachel) das ursprüngliche Bildprogramm des Kachelofens, welches sich mit der Darstellung der vier Weltreiche (vier Heldendarstellungen) befasste, nicht abdecken konnte. Somit wurden weitere Recherchen durchgeführt und es gelang die noch fehlenden Helden (Caesar und Nimrod) auf dem Schloss Neuenburg - Freyburg/Unstrut und im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu finden. Freundlicherweise wurde eine Abformung der ursprünglichen Kacheln gestattet. 

So konnten zunächst die Entwürfe vervollständigt und präzisiert werden. Anschließend begann die Zusammenarbeit mit dem Ofensetzer, dem Schornsteinfeger und dem Statiker um die notwendigen technischen Voraussetzungen zu planen. Da der geplante Hinterladerkachelofen eine weitestgehend ursprüngliche Befeuerung mit Holz erfahren sollte war besonders die Umsetzung der in Deutschland geltenden Emissionsverordnung zu beachten.

So erfolgten weitere Änderungen an den Entwürfen bis zur endgültigen Zeichnung. Nach dieser Vorarbeit konnte mit den weiteren Abfomungen der ursprünglichen Kacheln und der Modellbauarbeit begonnen werden. Die zunächst in Gips gegossenen Modelle (Patritzen) wurden nachbearbeitet um die Detailgenauigkeit der im nächsten Arbeitsschritt herzustellenden Kachelmodel (Matritze) zu gewährleisten. Weiterhin musste das Schwindungsverhalten des Kacheltones durch leichte Vergrößerung der Modelle ausgeglichen werden. Das war die Grundvoraussetzung für die exakte Größe der zu rekonstruierenden Kacheln.

Nach Anfertigung der Kachelmodel konnte die eigentliche Herstellung der Kacheln beginnen. Diese erfolgte nach althergebrachter Tradition durch händisch ausgerollte Tonplatten welche in die Model gedrückt wurden. Es ensteht das Kachelblatt. Die für handgefertigte typische Struktur der Rückseite entsteht durch ein aufliegendes Tuch und die Druckabdrücke der Finger.

Nach Abschluss des Eindrückens wurden die für den Versatz notwendigen Rümpfe angearbeitet. Da es sich bei den Leisniger Kacheln zum Teil um großformatige Kacheln handelte waren bereichsweise weitere rückseitige Stützstege notwendig um ein Verwerfen des Kachelblattes während der Trocknung und des Brandes zu vermeiden. Aus selbigem Grund wurden die Kacheln bei einer hohen Luftfeuchtigkeit sehr langsam getrocknet. 

Nach der Trocknungsphase konnte der erste Brand (Schrühbrand) der Kacheln durchgeführt werden. Zeitgleich wurden erste Glasurproben auf gleichwertigen Probekacheln durchgeführt. Dies stellte eine große Herausforderung dar, da die qualitative Materialzusammensetzung der ursprünglichen Glasur anhand einer Analyse zwar bekannt, jedoch die quantitative Zusammensetzung und die Glasurbrandumstände gänzlich unbekannt waren. Nach vielen Proben ist es jedoch gelungen sich an das optische Erscheinungsbild  der urspünglichen Glasur anzunähern. Somit konnte bald mit dem zweiten Brand (Glattbrand) begonnen werden. Mit einem Verlust von zwei Kacheln (bei ca. 120Stück - Blattkacheln und ca. 100 Stück Abdeckplatten) konnte auch dieser Brand erfolgreich durchgeführt werden.

Danach begann ein weiteres aufregendes Kapitel - das Setzen des Ofens durch den Ofensetzer und die erste Trockenheizphase. Stück für Stück wuchs der Ofen in die Höhe von 3,59m. Alles passte und auch das erste Heizen verlief erfolgreich. Nach der Trockenheizphase erfolgten noch kleinere Maßnahmen wie das Schwärzen der Lehmfugen und des Unterbaues. 

So konnte ein sehr schönes und interessantes Projekt zu aller Zufriedenheit abgeschlossen werden.

 

 

Cyruskachel im Original und in der Kopie

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